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16 November 2008

Details zum beruflichen und politischen Werdegang

Ohne Frage, Lutz Heilmann hat sich in eine selten dämliche Position gebracht, als er juristisch gegen die Wikipedia vorging. Und er hat einen sehr großen Teil der Kloppe, die er derzeit im Internet dafür bekommt, auch verdient.

Was aber mal wieder zu ergänzen wäre: Die mediale Hetze. Ja, auch hier kann man ohne mit der Wimper zu zucken von gezielter Hetze reden. Allen voran mal wieder Spiegel Online. Die berichten von der Unterlassungsklage des "umstrittenen Politiker" Heilmann gegen die Wikipedia, beschreiben die derzeit zu bestaunenden Konsequenzen und dass Heilmann "vier Passagen" in dem Wikipediaartikel über sich zu beanstanden habe.

Dann, als es darum gehen müsste, was überhaupt Gegenstand der dieser Passagen sei, kommt von SPON bloß:
Sie betreffen im Wesentlichen Details zum beruflichen und politischen Werdegang des Bundestagsabgeordneten. Da die Verbreitung der strittigen Passagen der einstweiligen Verfügung unterliegt, verzichtet SPIEGEL ONLINE auf eine detaillierte Wiedergabe.


Aha. "Details zum beruflichen und politischen Werdegang". SpOn kennt die Fakten, nennt sie aber nicht, sondern raunt nur Vages in die Welt. Details zum beruflichen und politischen Werdegang kann alles mögliche sein. Natürlich hätte SpOn schreiben können, worum es wirklich geht. Andere haben es auch geschafft.

Aber SpOn lässt uns ja über den Gegenstand der Auseinandersetzung nicht ohne Grund im argen. Denn der Artikel geht an dieser Stelle direkt weiter. Er ist ab hier noch mal fast genau so lang schwenkt sofort zu Heilmanns Stasivergangenheit und berichtet tief und breit darüber. Dem Leser wird natürlich nicht mitgeteilt, was diese konkreten "Details zum beruflichen und politischen Werdegang" jetzt mit dem aktuellen Fall zu haben.

Das wäre auch schwer. Die Antwort ist nämlich: "gar nix!".

SpOn suggeriert mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln, dass Heilmann seine Stasivergangenheit aus seinem Lebenslauf tilgen wolle. Das ist nicht der Fall. Die beanstandeten Passagen bezogen sich auf angebliche Verstrickungen in einen Online-Sex-Shop, sowie innerparteiliche Querelen und der angeblichen Aufhebung seiner Immunität als MdB. Alles Dinge, die entweder nachweislich falsch sind, oder teils einfach unbewiesene Tatsachenbehauptungen widerspiegeln. Alles Dinge, gegen die man nicht nur juristisch, sondern auch moralisch das Recht hat, gegen vorzugehen.

Man kann von Heilmann halten, was man will. Vor allem kann man ihm grenzenlose Dummheit vorwerfen, was die Wikipedia-Aktion angeht (Die er aber bereits zurückgezogen hat).

Dass SpOn das aber nur aus versehen so aussehen lässt, als sei Heilmann an der Auslöschung seiner Vergangenheit interessiert, ist sehr unwahrscheinlich. Sie versuchen alles, diesen Eindruck zu erwecken. Was SpOn hier macht ist Rufmord durch die Hintertür. Es ist widerlicher Kampagnenjournalismus. Es ist schlicht unredlich und es ist feige, es ist eine Schande für den Journalismus. Das rangiert noch unter Bildzeitungsnivieau!

Ich kann nur immer wieder betonen: Niemals vorschnell Artikel über Die Linke glauben, oder darauf reagieren. (Ja, auch Du, René!) Oft dauert es nicht lang, dann kommt die Wahrheit raus. Und manchmal muss man nur ein bisschen recherchieren.

07 November 2008

Tanja Dückers erklärt die Welt

Es ist schon eine Leistung, sich derart oft in ein und dem selben Artikel selbst zu widersprechen, wie es Tanja Dückers in der Zeit schafft. (via: @plomlompom)

Sie will einen Artikel darüber schreiben, dass die Deutschen jetzt ein Problem mit Obama haben. Sie muss aber einräumen, dass sich die Deutschen beinahe ausnahmslos hinter ihn stellten und ihn mit großer Mehrheit gewählt hätten. Hmm.

Sie will einen Artikel darüber schreiben, dass die Europäer Antiamerikaner seien. Sie kann aber nicht umhin, zuzugestehen, dass sich die Europäer über den "Change" in Amerika begeistern können und die USA derzeit als leuchtendes Vorbild gepriesen werden. Hmm.

Sie will uns erklären, wieso wir froh sein konnten mit Bush ein konsistenteres Feindbild Amerikas aufrechterhalten zu können. Und das obwohl der Sieg Obamas auch hier frenetisch gefeiert wird. Hmm.

Sie will uns einreden, wir würden alles toll finden, was unsere eigene Regierung so macht. Und das könne man nur, indem man die USA als Satan gegenüberstellt. Sie vergisst aber zu erwähnen, wo sie diese Information her hat (also dass wir das alles hier total paletti finden). Hmm.

Spätestens hier würde ich an ihrer Stelle doch mal kurz ins Grübeln verfallen. Wie kann das alles denn sein? Muss da nicht der Verstand irgendwann dazwischenhauen, bei so viel unlogischer Verschwurbeltheit?

Dückers kommt bei all dem nicht auf die Idee, dass das, was sie als Antiamerikanismus bezeichnet, vielleicht tatsächlich die direkte, sachbezogene und berechtigte Kritik an der amtierenden amerikanischen Regierung sein könnte. Dass die Kritik in Richtung Amerika eben nie dem bipolarem Weltbild von Gut und Böse (hmm, wo kam dieses Gut-Böse-Schema kürzlich noch mal her und von wem wurde es kritisiert?) entsprach, dass sie den Europäern unterstellt. Dabei würde das doch auf einen Schlag alle Widersprüche ihres Artikels beiseite fegen.

Liebe TanjaAnja, es gibt Dinge, die sind ganz einfach: Die Wahl Bushs war verachtenswert, die Wahl Obamas bewundernswert. Das eine wurde verachtet, das andere bewundert. Aber warum die einfache, nahe liegende Antwort akzeptieren, wenn man doch polemisieren will?