30 September 2008

Cui Bono

Man sagt ja immer, Geld werde "verbrannt". Andere werfen dann ein, dass das ja nicht stimme. Das Geld lande halt irgendwo anders. Was logisch erscheint.

Was mich also interessieren würde: Wo? Also wer ist das, der bei diesem ganzen Debakel gewinnt. Ich will keine Verschwörungstheorie anleiern (Verschwörungstheorien beginnen oft mit dieser Frage), nein, ich hab ein ganz anderes Anliegen.

Ich hab da nämlich eine Bitte:

Wenn Du, lieber Finanzkatastrophengewinnler hier mitließt (Was ich annnehme, wir Gewinnertypen sind ja untereinander gut vernetzt), dann will ich Dir zunächst einmal gratulieren! Du hast es geschafft! Ja, Du hast gewonnen!

Und ich gönne es Dir aus ganzem Herzen. Obwohl ich doch glaube, dass das Spiel eher "Mensch ärgere Dich nicht" (Glück) ist, als Schach (Können). Das soll Deinen Erfolg aber nicht im mindesten schmälern, und ich will Dir die Anerkennung auch nicht verweigern. Wir alle nicht.

Nur. Es gibt da ein Problem. Du hast jetzt alle Spielfiguren. Wir anderen können nicht weiterspielen. Und - jetzt kommt's - Du auch nicht.

Was willst Du mit Deinem Geld, wenn es keine Wirtschaft mehr gibt, die Dir eine subkontinentgroße Yacht mit 25 Swimmingpools noch bauen kann? Wer soll den Wein für Deinen Champagner anbauen? Wo willst Du die exotischen Zierpflanzen für Deinen Schloßgarten kaufen? Und auch Monaco macht keinen Spass mehr, wenn dort alle nur bettelnd auf den Straßen liegen. Na eben!

Deshalb sei Dir unserer Anerkennung sicher, und bitte, bitte, bitte, gib das Geld wieder zurück. Wenigstens ein bisschen. Danke!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Bei den momentanen Vorgängen auf dem Finanzmarkt handelt es sich ja nicht um Geld, das von der einen in die andere Hand wandert, sondern um die Erkenntnis, daß das Geld, das man gerne weiterverschieben würde, niemals existiert hat, oder? Gewonnen haben natürlich dann doch die, die rechtzeitig ihren Anteil virtuelles Geld in Swimmingpools umgetauscht, verloren wieder jene, die ihre künftige Arbeitsleistung gegen virtuelles Geld getauscht haben.

karl gumbricht hat gesagt…

wenn ich denke was große banken, die laut für liberale, frei system, marktregulation sprachen, jetzt von umverteilung denken - ein verpönter prozess im wilden markt, der doch am besten sich selbst überlassen bleibt...

wenn ich mir jetzt also die ganzen superhartzvierempänfger anschaue, wie will man da noch von sozialschmarotzern reden können - in zukunft. jene die riskante spiele mit fremden geld spielten in hochdotierten posten, jene die noch ihr swimmingpool haben, die also, die tausende von dem regen in die traufe stellten haben letztlich gewonnen, da sie für ihr handeln, so wie ich es sehe nicht in die verantwortung gezogen werden. sie werden weiter wurschteln, auf recht hohem niveau. oder glaubt jemand tatsächlich, das diese broken broker im winterlichen new york um die brennden fässer drängen werden, an denen jene stehen, die sie früher verachteten, über die sie sich stellten, denen sie womöglich noch diese luftigen wohnstätten überhaupt erst ermöglicht hatten? mit ihnen teilen? ich werde auf meinen alten tage nochmal kommunist...oder so

andre.moch hat gesagt…

Dieses mal ist wirklich Geld verbrannt. Es hat niemand anders.
Es ist einfach vernichtet.

Das Problem, wenn man das denn nun zum Problem stilisieren will, ist die dadurch entstandene neue Ordnung: Der Westen hat sich runtergewirtschaftet. China, Russland und die Saudis kommen glimpflich davon und sitzen auf riesigen Devisenreserven. Schiere Kohle - nicht gebunden an faule Kredite, krumme Derivate oder sonstwas. Und mit diesem Geld können die jetzt in Seelenruhe Banken übernehmen und als Gönner die produzierende Wirtschaft refinanzieren.
Gerade in den USA und in Europa.

Neue Zeiten brechen an. Von wegen Machtwechsel zu Gunsten von China und Indien in Zukunft. Wir sind schon jetzt an dem Punkt. Man hat uns in der Hand.

Rob hat gesagt…

Diese Tautologie gibt es auch umgekehrt, da erklärt der Reichste und größte Steuerzahler den andern, daß sie ohne ihn nichts wären. So what?