11 Februar 2009

Bekenntnis

Danke Fred.

Als ich etwa 11 war, beschloss ich für mich, nicht mehr an Gott zu glauben. Es kam mir alles irgendwie nicht sehr schlüssig vor, was ich über diesen Typen gehört hatte. Ich sagte das meinen Eltern und sie meinten: Ok. Aber sie rieten mir, dass ich mich dennoch konfirmieren lassen solle. Der Geschenke wegen. Ich fand das einen okayen Deal.

Trotz meiner atheistischen Überzeugung habe ich mich aber immer für Religionen interessiert. Bis heute. Meine Eltern hatten -unter vielen anderen - auch sehr gläubige Freunde. Ich ließ mich, immer wenn sie zu Besuch waren, gerne auf Gespräche über Gott ein. Ich dachte ja auch manchmal, ich habe das ganze einfach noch nicht verstanden. Dem war nicht so. Ich glaubte halt einfach nicht an Gott.

Die Gespräche waren nichtsdestotrotz immer gut. Diese Menschen, die an Gott glaubten, waren ja auch meist kluge Leute. Niemals kam ich auf den Gedanken, ich könne ihnen intellektuell überlegen sein. Bis heute nicht. Und ich habe auch heute noch Freunde, die offen dazu stehen, an Gott zu glauben. Leute, die ich auch ihres Intellekts wegen schätze.

Ich glaube heute, dass mir tatsächlich eine gewisse Disposition zum Glauben fehlt. Ich glaube aber nicht, dass das notweniger weise ein Vorteil ist. Es ist eben so. Ich bin so, andere sind anders. Manchmal beneide ich sogar meine gläubigen Freunde. Aber nur sehr selten.

Niemand hat jemals ernsthaft versucht, mich zu missionieren. (Lassen wir den Dorfpfarrer mal beiseite, der im Konfirmandenunterricht einfach seinen Job gemacht hat) Ich habe nie einen Druck verspürt, zur anderen Seite herüber wechseln zu müssen. Alle gläubigen Menschen, die ich je traf haben auf Anhieb meinen Atheismus akzeptiert. Und ich habe wahrscheinlich genau deswegen meine Welt nie in Gläubig/Ungläubig eingeteilt.

Klar, ich habe den Papst kritisiert, immer wenn ich ihn kritisierenswert fand. Bei "das Leben des Brian" habe ich herzhaft gelacht. Ich glaube sogar, mit gläubigen Freunden zusammen. Ich kann jederzeit, und auch hier, frei heraus sagen: "Lieber Gott, ich glaube nicht an Dich!", ohne dass ich mich um meinen Platz im Himmel fürchte. Ich halte religiösen Fanatismus für schlimm. Aber eben nicht für schlimmer als jeden anderen Fanatismus auch.

Wahrscheinlich kann ich deswegen mit diesem triumphierenden "Ha! Ich bin Atheist und du bist doof!" a la Dawkins nichts anfangen. Im Gegenteil. Es widert mich an.

Ich bin Atheist. Aber keiner, der sich deswegen auf die Brust schlägt. Ich halte Menschen, die sich durch ihren Atheismus definieren, für ebenso gefährlich, wie Menschen, die sich durch ihre "Christlichkeit" oder sowas definieren. Ich möchte mit beiden bitte nichts zu tun haben. Denn diese Menschen sind Leute, die eine Grenze ziehen wollen, damit sie die jeweils andere Seite wahlweise als ketzerisch oder dumm darstellen können.

Ich hasse Menschen, die ihre Überzeugungen über die ihrer Mitmenschen stellen wollen. Ich halte diese Menschen für das Übel in der Welt und nicht die Heterogenität von Weltbildern. Die halte ich weiterhin für gut.

Kommentare:

Christian Soeder hat gesagt…

Großartiger Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. (Bin bekennender Christ.)

ToBa hat gesagt…

Komischerweise ist es auffallend oft die gläubige Seite, die Nichtgläubige herablassend belächelt und so tut, als hätte sie die Antwort auf die Frage aller Fragen und man würde schon noch irgendwann dahinter kommen.

Mal unabhängig von Dawkins finde ich den aktuellen Trend zu mehr selbstbewusstem Atheismus sehr erfrischend, man darf eben auch nicht vergessen, dass es nicht überall so liberale Gläubige gibt wie in Deutschland und dass von Religionen auch ein sehr großes Gefahrenpotential ausgeht. Wenn der Papst heute hustet, haben Millionen Katholiken morgen Schnupfen.

fengor hat gesagt…

Sehr schoene Zusammenfassung wie harmonisch der Umgang mit Glauben doch sein kann.

Solange mich niemand zu missionieren (wgal ob eine bestimmte Glaubensrichtung oder Lebenseinstellung betreffend) kann ein jeder gerne an das glauben was er mag. Oft ergeben sich durch die untershciedlichen Standpunkte tatsaechlich interessante Einblicke.

Nichtsdestotrotz werde ich aber demnaechst wohl aus rein monetaeren Gruenden aus meinem Glaubensverein austreten indem ich eigentlich auch nur aus Gewohnheit Mitglied bin.

mspro hat gesagt…

@chistian danke!

@ToBa wie gesagt, ich habe das anders erfahren. Missionierungsversuche sehe ich derzeit häufiger auf der so genannten Atheistenseite. Es kann natürlich sein, dass ich nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit mitbekomme. Für Bayern möchte ich jedenfalls nicht bürgen wollen ;)

@fengor Ich finde das nur ehrlich. Ich bin auch ausgetreten, als bald ich es konnte.

Anonym hat gesagt…

>>"Ha! Ich bin Atheist und du bist doof!" a la Dawkins<<

Schade, wer sein Buch gelesen hat weiß, dass Dawkins ein zwar extremer Atheist ist, der polarisiert und irgendwie immer ein wenig verbittert klingt, aber er bezeichnet Gläubige nicht als doof.

Es wäre wahrscheinlich mal interessant zu ergründen woher der Eindruck kommt, dass die Aussage "Es gibt keinen Gott" gleichbeduetend aufgenommen wird mit "Du bist doof". Wahrscheinlich ist es diese "Verletzung der religiösen Gefühle" die man Ungläubiger nicht versteht.

(Bin bekennender Atheist)

wondergirl hat gesagt…

Ich muss sagen, ich hatte lange Zeit dieselbe Haltung, so lange ich außen vor bleibe, ist es mir egal, was andere tun oder lassen und fast alle Christen, die ich kenne, waren/sind tolerante, aufgeschlossene Menschen.

Dann habe ich mich etwas mehr mit analytischer Religionsphilosophie beschäftigt. Seit dem halte ich Religiosität für einen Denkdefekt. Was wiederum nicht heißt, dass ich Menschen, die glauben, für grundsätzlich einfältig und intellektuell minderbegabt halte.

Mir ist nur klar geworden, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, anzunehmen, dass Gott existiert. Von dieser abstrakten Idee werden aber wiederum lebenspraktische Dinge abgeleitet, z.B. ethische Vorstellungen. Was wiederum auch nicht mein Bier wäre, wenn ich nicht in einer Gesellschaft leben würde, in der ein gewisser Teil oder zumindest weit verbreitete Standpunkte darüber, was gut und was schlecht ist, sich (historisch?) aus dieser Vorstellung, die ich selbst für abwegig und unvernünftig halte, ableiten. Das ist etwas, was mich doch sehr stört.

mspro hat gesagt…

@Anonym nun, sein Buch "Gotteswahn" zu nennen, schließt für mich zumindest ein, religiöse Menschen als "Wahnhaft" zu bezeichnen.

Und dass Dawkins so ziemlich alle Konflikte der Welt auf die Religion zu mappen versucht, hat Fred ja bereits herausgestrichen.

Sorry, aber die denunziatorische Haltung des Buches ist doch zu offensichtlich, als dass man sie leugnen könnte.

giardino hat gesagt…

Danke. Tut sehr gut, das zu lesen, nachdem ich erst unlängst zu diesem Thema saftig abgekanzelt wurde. (Ich würde mich selbst auch zur gläubigen, aber undogmatischen Seite zählen wollen.)

@ToBa: Verblüffend. Ich empfinde es nämlich als genau andersherum, nämlich dass es häufiger die Nichtgläubigen sind, die Gläubige in Rechtfertigungs- und Logikdiskussionen zwingen wollen. Vielleicht eine typische Nebenwirkung von stark polarisierenden Themen, dass beide Seiten gleichermaßen das Gefühl haben, eine von den anderen missionierte Minderheit zu sein.

Anonym hat gesagt…

@mspro Hast Du's Denn gelesen? Oder extrapolierst Du nur Meinungen aus zweiter Hand?

Ich hab's gelesen. (Obwohl es streckenweise arg dröge ist)

mspro hat gesagt…

@wondergirl die christliche Prägung unseres Wertesystems ist mir auch durchaus bewusst. Da ich aber das allermeiste dieses Wertekanons auch nach längerem internen Prüfen als durchaus für richtig erachte, komme ich damit sehr gut klar.

Mir ist es daher weniger wichtig, woher die Werte nun kommen und halte sie ihrer Herkunft wegen auch nicht für schlecht. Und wo ich sie für schlecht halte, kann ich mich auch ohne Antireligiösität dagegen wehren.

Und neben Gott glaube ich übrigens auch nicht an die analytische Philosophie ;)

mspro hat gesagt…

@Anonym ich extrapoliere. Aber ich denke, ich habe Dawkins schon oft genug erlebt und Artikel über sein Buch gelesen, dass ich weiß worum es geht.

Ich erwarte auch von keinem Atheisten die Bibel gelesen zu haben, um sie für sich abzulehnen. Hab ich nämlich auch nicht.

wondergirl hat gesagt…

Pfff... ;)

Ich teile zwar auch viele Vorstellungen, aber dennoch... das was wir für vernünftig halten, halten wir für vernünftig, weil wir in diesem christlichen Wertesystem sozialisiert sind. Was ist, wenn unsere Vorstellungen totaler Käse und verbesserbar sind und wir es nur nicht erkennen können, weil unser Horizont zu deformiert ist.

Jedenfalls ist Gott als Basis für irgendwelche Überzeugungen doch sehr fragil, lieber wäre mir die Vorstellung von der tatsächlichen Existenz eines gesunden Menschenverstandes.

mspro hat gesagt…

@wondergirl
"Was ist, wenn unsere Vorstellungen totaler Käse und verbesserbar sind und wir es nur nicht erkennen können, weil unser Horizont zu deformiert ist."

Das ist das Problem bei den Analytikern. Sie halten die Welt und seine Parameter für deterministisch gegeben und abstrahieren deswegen nicht ins Stukturelle.

Ich halte es für zwingend evident, dass, wenn der Gottesglaube nicht unser Wertesystem geprägt hätte, dann hätte eben ein anderes "Etwas" unsere Wertvorstellung geprägt und wir würden in einem anderen, aber ebenso fatalen blinden Fleck verweilen. Nun ist es eben die Religion geworden.

Dass man ohne einen Glauben an "Etwas" keine Werte entwickeln kann, liegt für mich auf der Hand. Es gibt keine "universellen" Werte. Jedes Menschenrecht musste mächtigen Menschen blutig abgerungen werden. Das sollten wir besser nie vergessen, denn wir werden auch weiterhin dafür kämpfen müssen.

Und bei dem Ausdruck "gesundem Menschenverstand" rollen sich bei mir deshalb die Zehennägel hoch.

Sascha Lobo hat gesagt…

Ich dachte immer, ich wäre Atheist, bis ich gemerkt habe, dass ich eigentlich Agnostiker bin. Beinhaltet günstigerweise ein höheres Maß an Toleranz als Atheismus, man muss sich nur seltener aufregen. Allerdings Agnostiker mit deutlicher Abneigung gegen Religion als moralisches Konstrukt.

mspro hat gesagt…

@Sascha Lobo mir geht es da umgekehrt. klar, ist der Agnostizismus eine gute, tolerante und bequeme Lösung. Und wer weiß schon?

Aber in meinem Fall war es doch eher ein Winden ist. Die Wahrheit ist: ich glaube nicht an Gott. Und zwar genau so überzeugt, wie andere an einen Gott glauben.

kim hat gesagt…

dann bin ich wohl ein extremist ;) die methoden von gläubigen können mich echt aufregen. im gymnasium hat bei uns die bibelgruppe schon mal süssigkeiten für alle verteilt, und bei diskussionen wurde einem vorgeworfen, man habe gott eben noch nicht gefunden (also paraphrase: "ich habe recht" - wie soll man darauf antworten, wenn für den/die andere/n das gläubigsein so absolut ist, dass sie/er daran glaubenmuss, recht zu haben?). gott wurde dort gefeiert, über mittag und am samstagabend (find ich schon etwas beunruhigend). der schwule behauptete von sich, seine "krankheit" überwunden zu haben. gegenüber dieser sorte von glaube habe ich null verständnis. mit dem verweis auf glaube sollte man meiner meinung nach nicht alles durchgehen lassen.

aber dies ist natürlich nur eine form von glaube. etwas anderes ist es, wenn man darüber reden kann, und die eine am ende sagt, ich glaube es gibt etwas höheres, der andere, es gibt nichts höheres. kein problem. ich habe religion einfach vielmals als ersteres erlebt, als rechtfertigung, von der moral und revisionismus abegeletet wurden. und darum würde ich nicht so gelassen sagen, dass alles gut ist.

eine aufgeschlossene art von glauben, wie sie in europa anzutreffen ist (pauschal gesagt), ist bereichernd. wenn nicht ein 2000 jahre altes buch als vorschriften ausgelegt wird, sondern als überlegung, welches verhalten gut und welches schlecht ist. die geburt von moral. ich habe tolle pfärrer gesehen, die rockkonzerte organisieren oder sich für entwicklungsländer und asylbewerber engagieren. die jüdische geistesgeschichte fasziniert mich. wenn der glaube an gott eine solche moral der menschenliebe heisst, ist das grossartig - moralempfinden ist allerdings nicht an glauben gekoppelt.

ich rede nur von den konsequenzen des glaubens, merke ich. aber daran misst es sich schlussendlich wohl. glaube allein heisst einfach nichts. wie auch nichtglauben nicht, einverstanden. ich glaube aber, dass wir an dem tag, an dem wir nicht mehr über glauben reden müssen, sondern über moral, schon viel weiter sind.

Lars hat gesagt…

"Ich glaube heute, dass mir tatsächlich eine gewisse Disposition zum Glauben fehlt."

Das ist ein schöner Satz, macht er doch die ganze Paradoxie des Glaubens und Nichtglaubens deutlich.

Ich glaube ja, dass jeder Mensch glaubt und glauben muss, weil wir eben nicht alles wissen können, und dass sowohl Religiösität als auch Atheismus/Agnostizismus jeweils unterschiedliche Blüten sind, die dieses unausweichliche Gesetz des Glauben-Müssens treibt.

Wichtig ist doch, dass man Andersgläubigen mit einer Offenheit entgegentreten kann, die bewirkt, das eine Verständigung auf der Ebene dessen, was wir wissen können, möglich bleibt.

Iris hat gesagt…

Ein symapthisches Nichtglaubensbekenntnis, finde ich.

So ein klares Bekenntnis könnte ich für mich (noch) nicht formulieren. Zwar bin ich nicht religiös (hänge also keiner der herkömmlichen Religionen an), bin mir aber, was die Existenz eines höheren Wesens betrifft, nicht absolut sicher. Ich bin also weder gläubig, noch ungläubig. Ich bin eine Zweiflerin.

nerone hat gesagt…

sehr schön mspro. damit triffst du über weite strecken meine eigenen erfahrungen, wenn ich auch hin und wieder in extremis geforscht habe und mich der einen wie der anderen seite forschend zu wandte und dort die dunklen flecken entdeckte die mit einem nahezu identischen vokabular das gegenteil des anderen postulierten.

ich bin agnostiker aus der unbequemen situation heraus, dass ich keine ehrlichere position zu meiner sozialisation definieren kann. das problem ergibt sich für mich dann, wenn mein gegenüber gottgläubig ist. ich kann dann seinen glauben nur schwer in frage stellen und muss es als möglichkeit mitdenken können. das klingt etwas scizzo, ist es wahrscheinlich auch.

ein wunderbarer beitrag, danke

Ringo hat gesagt…

@Lars
Ja, der zitierte Satz ist in der Tat beispielhaft.

Ich finde aber auch, dass es der ganze Text ist. Denn, geschätzter mspro, was willst Du eigentlich ausdrücken? Du willst Dich von den Menschen abgrenzen, die eine Grenze ziehen, ziehst damit aber selbst eine.
Dadurch kannst Du das Verhalten der Grenzenzieher kritisieren und Dich vergewissern, selbst auf der "richtigen" Seite zu stehen. Du bist gewissermaßen ein Opfer Deines eigenen Textes.

Die einzige Möglichkeit, selbst kein Grenzenzieher zu sein, ist, das Verhalten anderer nicht zu verurteilen.

Dazu gibt es auch ein Sprichwort:
Es gibt zwei Arten von Menschen - solche, die Menschen in zwei Arten einteilen, und solche, die das nicht tun.

Enno hat gesagt…

Kann Dein Blog keine Trackbacks? Meine Antwort aufs "Bekenntnis" hier: http://www.ennomane.de/2009/02/20/antwort-aufs-bekenntnis/

Enno hat gesagt…

(Bin gläubig, Freidenker)

Zunächst einmal: Missionierungsversuche sehe ich derzeit häufiger auf der so genannten Atheistenseite. Bei mir hat noch kein Atheist an der Haustür geklingelt und mich gefragt, ob ich mit ihm über Gott reden wolle.

Ein ganz einfaches Beispiel: In Berlin gibt es keinen Religionsunterricht. Das stinkt sehr vielen Gläubigen, die gerne möchten, dass ihre Kinder in einem genehmen Glaubenssystem unterrichtet werden. Deshalb haben sie ein Volksbegehren gestartet. Das klingt oberflächlich alles nur unterstützenswert.

Sehen wir uns mal die Details an: Es gibt einen Ersatz für den Religionsunterricht. Dort nehmen die Kinder ethische und philosophische Fragen durch und gewinnen einen Überblick über die Weltreligionen. Dieser Unterricht tangiert keine Religion, fördert aber die Toleranz und vermindert eine "Die-und-wir"-Haltung.

Was passiert, wenn man diesen abschafft? Die Schulen müssten nicht nur konfessionellen christlichen Religionsunterricht anbieten sondern in einer Stadt wie Berlin fast alle Weltreligionen abdecken. Das kann keine Schule schaffen, also bietet Schule A römisch katholischen Unterricht an, während Schule B vielleicht Islamunterricht im Portfolio hat. Es entstünden Schulghettos. Grenzen würden aufgebaut. Für die Kinder gibt es ein "Die-und-wir", und die anderen sehen sie plötzlich allenfalls noch auf dem Schulweg. Welch ein Konfliktpotenzial, das dort herangezüchtet wird!

Religion ist Privatsache. Ein glaubensgebundener Religionsunterricht sollte (wie in den allermeisten Staaten der Welt) ebenfalls Privatsache sein vollkommen außerhalb der Schule stattfinden. Gerade die Atheisten, Agnostiker und Freidenker wollen den Religionsunterricht keinesfalls abschaffen, sondern einen Meta-Religionsunterricht, der jeden Menschen ein Stück weit helfen soll, selbstbestimmt ihren Glauben zu erkennen und zu entwickeln.

Das ist nicht mehr möglich, wenn man den ganzen Religionsführern überlässt, welche Inhalte gelehrt werden. Nicht nur Religion ist also Privatsache, sondern auch Toleranz: Sie findet genau dort ein Ende, wo die Gesellschaft als ganzes durch Religionsausübgung beschädigt werden kann.

Es ist gar nicht so lange her, dass meine Mutter in Religion eine 6 bekam, weil sie den katholischen Katechismus nicht auswendig konnte. Zusätzlich bekam sie ganz fürcherlichen Ärger zu Hause. Wenig später hatte sie den Mist halt gepaukt und bekam anschließend eine 1. Wollen wir wirklich DAHIN zurück?