03 Februar 2009

Gegen die Bahn mobil machen

Eigentlich ist es nicht zu fassen. Was sich Mehdorn in der Geschichte der Bahn bereits alles erlaubt hat, hätte für jeden anderen schon zu einer ganzen Reihe von Rücktritten geführt. Und Rücktrittsforderungen gegen ihn sind ja nun nicht neu. Auch nicht aus der Politik. Ich schätze in Deutschland hat noch kein anderer Mensch innerhalb eines Postens so viele Rücktrittsforderungen überlebt. Und das, obwohl der Posten auf dem er sitzt, ein politischer ist.

Passiert ist bisher gar nichts. Damals noch von Schröder installiert, scheint Mehdorn vor allem in der SPD aber auch immer mehr in der CDU absolute Narrenfreiheit zu haben. Dazu dieser interessante Sternartikel.

Wie kann das sein? Da kann man nur mutmaßen:

[Link]

Zur Erinnerung: Was der Kerl schon alles auf dem Kerbholz hat:

  • Das Tarifreformdesaster vor ein paar Jahren. Eine Tarifreform, die sich als derart unhinnehmbar erwies, dass sie in großen Teilen komplett zurückgenommen werden musste. Eine unglaublich peinliche Angelegenheit und der endgültige Ausweis der betriebswirtschaftlichen Inkompetenz der Bahnführung.
  • Der spektakuläre Tarifkampf mit den Gewerkschaften. Mehdorns Politik der verbrannten Erde kostete dem Unternehmen allein durch den Tarifkampf und die Streiks mehr Geld, als die Gewerkschaften überhaupt hätten fordern können. Mehdorn ist alles egal, außer seinem Ego.
  • Die Wartungsschlamperei und die technischen Mängel an den ICEs. Es musste immer erst etwas passieren, dass dort richtige Kontrollen stattfanden. Sparzwang galore.
  • Bahnpersonal setzt mehrfach Kinder, die im Besitz keines oder eines falschen Fahrscheins sind, alleine irgendwo in der Walachei aus.
  • Das schlampige Verrottenlassen/bzw. das Aufgeben von Bahnstrecken. Auch hier der Sparzwang, der die Sicherheit der Fahrgäste aufs Spiel setzt und ganze Regionen unerreichbar macht.
  • Die unverschämten Boni, die er für sich und seine Topmanager im Falle eines Börsengangs der Bahn plante. Und dann nur auf öffentlichen Druck zähneknirschend wieder strich.
  • Überhaupt: Das Börsengangchaos. Völlig merkbefreit will Mehdorn trotz der schlechten Vorbereitung der Bahn und vor allem dem Chaos an den Finanzmärkten auf das Parkett drängen. Wurde er angestellt das Unternehmen zu ruinieren?
  • Und jetzt die Bespizelungsaffaire im monumentalem Ausmaß. Bigottes Leugnen, dehnen der Wahrheit und scheibchenweises Fabulieren von Quasieingeständnissen. Sich winden unter der Last der Stasimethoden, die es auf eigene Mitarbeiter anwandte. Der Mann ist ein Krimineller!
  • Und jetzt schlägt die Bahn dem ganzen den Boden aus. Jetzt mahnen sie Netzpolitik.org ab, weil Markus den Text einer internen Gesprächsrunde dort gepostet hatte. Es hatten bereits viele Medien explizit aus diesem Dokument zitiert, aber keines hat es für nötig gehalten es in seiner Ganzheit zu veröffentlichen. Markus tat es und wurde sogleich von der Bahn kassiert. (Dazu ein Interview mit Markus)


Es wird Zeit, dass aus den Rücktrittsrufen der Politik endlich auch Taten folgen. Die Politik soll endlich aufhören, Mehdorn zu decken. Mehdorn soll endlich zurücktreten. Er hat die deutsche Verkehrspolitik schon lange genug behindert. Mit seinen Skandalen kann man Romane füllen. Egal, was der Mehdorn für Dossiers über Politiker haben sollte, so jemanden an der Spitze eines derart wichtigen Unternehmens zu belassen ist nicht nur absurd, es ist geradezu kriminell.

Wenn wieder einmal nichts passiert und Hartmut Mehdorn damit durchkommt, dann bin ich gewillt Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Wegen Korruption.

Derweil sollte man sich überlegen, was man noch für Druckmittel auf die Politik hat, dass sie endlich handelt. Vielleicht eine Petition?

PS: Ich habe beim Googln eine Version des abgemahnten Dokumentes hier gefunden. Nur für den Fall, dass Markus gezwungen wird, das Dokument zu löschen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

*signed*
und weg mit Ihm!

Michael hat gesagt…

Wäre es eine Lösung, wenn viele Blogger das Dokument veröffentlichen? Weg gehört er sowieso längst der Mehdorn.

Frank hat gesagt…

Danke für diese wunderbare Zusammenfassung. Stimme im allgemeinen zu und vorhin ist mir auch noch ein Link zum Dokument untergekommen... es hat schon seinen Weg gefunden. Entfernen dürfte jetzt verdammt schwierig werden.

ed2k://|file|datenschutz-bei-der-bahn.pdf|65142|4CD5E524E8C8628FD63800E7F01CD453|/

Anonym hat gesagt…

Ich glaube das Hauptproblem ist das Finden eines Nachfolgers.
Denn wer heißt den schon mit Vornamen Bahnchef? Und das muss man zugeben:
Bahnchef Mehdorn passt einfach zu gut ;-)

Anonym hat gesagt…

Dieser Mann gehört nicht nur aus dem Vorstandssessel entfernt, sondern angezeigt. Meine Vermutung wäre es, dass er wirklich Dossiers anlegen lässt, mit denen er Kritiker unter Druck setzt (privatleben ausschnüffeln). Das wäre dann wohl eine Straftat, und ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob sein weiteres Leben nicht mit einer erdealten Bewährungsstrafe weitergehen würde.

Diese Kaliber im Knast zu sehen, wo sie eigentlich hingehören - Deutschland träume weiter.